Interkultureller Dialog zum Thema Ehrenamt
Über den Erfolg dieser Projektwoche und über den Fortschritt weiterer Projekte lesen Sie im folgenden Reisebericht Juni 2011:
Mit den Vereinsmitgliedern Hadwig Herrmann, Giesela Homa und Babubhai Thakker war ich vom 6. – 13. Juni in Belarus. Eine wie immer spannende und eindrückliche Woche durften wir auf den verschiedenen Stationen unserer Projekte in und um Ritschow erleben.
Trotz ungewöhnlicher Hitze - täglich 30 – 35° - hat die wunderschöne Landschaft mit ihren Flüssen und Wäldern auch diese Reisegruppe begeistert. Am Bewegendsten sind aber immer die Begegnungen mit den weißrussischen Menschen, die uns überall mit großer Herzlichkeit empfangen haben.
Unsere Projekte machen folgende Fortschritte:

Ausbildungsförderung (derzeit 19 Studentinnen und Studenten)
Die erste von uns geförderte Studentin Oksana hat ihre Prüfungen in Minsk mit Auszeichnung (mit rotem Diplom, nur sehr selten vergeben) bestanden und auch bereits eine Stelle gefunden in einem großen Molkereibetrieb in Minsk im Bereich Marketing. Sie wird im Juli ihre Sponsorin in Deutschland auf deren Einladung besuchen. Mentorin Claudia Rai hat uns bestätigt, dass Oxana ohne unsere Förderung keine Chance gehabt hätte, einen Beruf zu erlernen.
Die Musikstudentinnen, die im März 2011 dank der Förderung durch das Goethe-Institut eine Konzertreihe bei uns geben konnten, haben wir in der Musikakademie in Minsk besucht. Sie haben uns bestätigt, wie wichtig die in Deutschland gemachten Erfahrungen für ihre Entwicklung und Ausbildung sind. Valentina Hancharuk wird übrigens beim Waldshuter Neujahrskonzert 2012 der Jungen Philharmonie Minsk mitwirken.
Die Studentinnen Alissa Miseva und Ekaterina Getman und den Counter-Tenor Roman Vereshagin haben wir in Schitkowitschi getroffen. Ekaterina hat sich sehr gefreut, ihre Sponsorin persönlich kennen zu lernen und sich für die Förderung sehr bedankt.
Wir haben – neben anderen Familien - die Mutter des von uns geförderten Mathematikstudenten Andrej M. besucht und uns davon überzeugt, dass auch er unsere Hilfe unbedingt braucht, um sein Studium absolvieren zu können. Abschlussschülerinnen und -schüler in ähnlicher Situation haben uns gebeten, Sponsoren für sie zu suchen.
Schule und Kindergarten Ritschow
Der neue Schulleiter Nicolai Koljada hat mit einem Teil unserer Förderung vom letzten Jahr 20 Apfelbäumchen gekauft und mit Schülerinnen und Schülern im Schulgarten gepflanzt. Alle von uns gespendeten Einrichtungen (Sanitäranlagen, Lampen, Tafeln, Spielzeug für die Tageskinder) sind in sehr gutem Zustand und wurden zum Teil auch von den Lehrern aus eigenen Mitteln ergänzt. Besondere Freude macht es, die im letzten Herbst von unserem Helferteam Andreas Puke, Martin Leber, Roland Studinger, Klaus Thon und Karen Thorne (AWC Basel) runderneuerte Sporthalle zu sehen und zu erleben, welche Freude Kinder, Lehrer und Eltern damit haben. Ein Mitglied der Reisegruppe stellte spontan Geld zur Verfügung, damit Sportschuhe für den Hallensport angeschafft werden für Kinder, deren Eltern sich das nicht leisten können.
Ein großes Projekt möchte Nicolai mit seiner Schule gerne angehen: Den Aufbau und die Nutzung eines Gewächshauses, von dem seit über 10 Jahren nur noch das Gerüst steht. Eine Plastikplane muss angeschafft werden, damit Gemüse gezogen werden kann. Ein wunderbares Projekt, das wir unterstützen möchten.

Der Umbau für den Kindergarten wird vom Staat vorgenommen, hat uns der neue Leiter der Schulbehörde bestätigt. Aus allen 8 Teilgemeinden sollen ab September 24 Kinder ab 3 Jahren ganztags von zwei Erzieherinnen und einer Assistentin betreut werden. Die Gesamtkosten für die Inneneinrichtung belaufen sich nach seinen Angaben auf ca. 6000 EUR. Dank der Unterstützung des AWC Basel (American Women Club) werden wir diese Kosten übernehmen können. Dem Konvoi im Herbst wollen wir eine Sendung Spiel- und Lernmaterial mitgeben. Sach- und Geldspenden dafür sind noch sehr willkommen!
Unsere zweite Arbeitssitzung mit dem Schulleiter und dem Kollegium musste auf den Pfingstsonntag gelegt werden. Zu unserer großen Freude waren nicht nur die Mehrzahl der Lehrer, sondern auch etliche Schüler versammelt, die sich sogar zu einem kleinen Konzert formiert haben.
Kulturhaus Ritschow
Auch hier sind die von uns gespendeten (und in belarussischer Eigenregie eingebauten) Sanitäranlagen in sehr gepflegtem Zustand. Die Freude über den von Jürgen Strasser gespendeten, vom Saarländischen Hilfsverein nach Belarus transportierten und von Andreas Puke installierten Billardtisch ist riesengroß. Es wird ein Konzept erarbeitet, Kinder für ehrenamtliche Einsätze im Dorf mit Spielgutscheinen zu belohnen.
Die von Dr. Sheila Linder anlässlich unserer Herbstreise angeregte Aktion „Reinigung und Aufhängung der Bühnenvorhänge“ wurde mit großem Engagement seitens Marina Kharitonova, der belarussischen Vorsitzenden unseres Partnervereins, Helferinnen und Helfern aus Ritschow erfolgreich durchgeführt. Sollten Sie den Wunsch haben, nach Belarus zu reisen, können wir schon heute eine schöne Aufführung der Volkstanzgruppe garantieren!
Grosses Unglück hat die Familie von Larissa Martinowskaja (Direktorin des Kulturhauses) während unserer Besuchswoche ereilt: Ihr Haus ist am Geburtstag von Tochter Viktoria, die schon als Ferienkind bei uns war, komplett abgebrannt. Ein Mitglied unserer Reisegruppe hat eine sehr großzügige Spende zum Wiederaufbau gegeben, auch vom Verein haben wir beschlossen, der Familie finanziell zu helfen.
Gymnasium Schitkowitschi
Wie bei jedem Besuch konnten wir uns wieder davon überzeugen, mit welch großartigem Engagement seitens der Schulleitung und der Lehrerschaft dieses besondere Gymnasium mit Internat geführt wird.
Hier steht nun dank des Einsatzes von Andreas Puke der zweite der von Jürgen Strasser gespendeten Billardtische – die Lehrer klagen mit lachenden Gesichtern: Die Kinder wollen am Wochenende gar nicht mehr nach Hause, sie wollen immer Billard spielen.
Direktorin Ludmilla Katwitzkaja sagt: Es fördert die Entwicklung der Kinder und: Es ist der einzige Billardtisch in Schitkowitschi!

Familienhilfen
Valentina G. hat einen Kredit aufgenommen (sie arbeitet, seit sie mit unserer Unterstützung von der Alkoholsucht befreit ist) um ein Haus zu kaufen. Der Preis wurde in Dollar verhandelt – und genau eine Woche nach der Kreditaufnahme hat der belarussische Rubel fünfzig Prozent an Wert verloren. Wir haben mit dem Eigentümer gesprochen und eine Preisreduzierung erreicht. Es ist ein hübsches kleines Haus, kleinere Renovierungen sind jedoch noch notwendig. Wir haben Valentina hierfür unsere Hilfe zugesagt.
Vater und Mutter unserer Ferienkinder Mischa, Kati und Sweta sind ebenfalls suchtfrei, wieder vereint und beide arbeiten in der Kolchose. Das für sie ins Auge gefasste Haus konnte immer noch nicht gekauft werden, da die Besitzverhältnisse unklar sind. Auch für diese Familie haben wir ein Haus besichtigt und einen Kaufpreis vereinbart, den Familie P. per Kredit tragen kann. Für die Renovierung steht noch immer ein Betrag von knapp 2000 EUR zur Verfügung, den die Gasteltern eines Kindes gespendet haben. Freiwillige Helfer haben sich schon gemeldet – weitere sind erwünscht für die Renovierungsarbeiten an beiden Häusern.
Projekt zum Thema Ehrenamt
Unser Projekt „Interkultureller Austausch zum Thema Ehrenamt“ vom März 2011 mit 10 belarussischen Frauen (ermöglicht durch die Robert Bosch Stiftung und die Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde e.V.) hat zu einem schönen Erfolg geführt:
Ekaterina Michaltschenko (Sekretärin Bürgermeisteramt) hat die Initiative ergriffen und einen Frauenverein gegründet. Sie hat den Vorsitz übernommen, Nadeshda Lewkowez ist Schriftführerin, die Kasse übernimmt Swetlana Nosko. Beisitzerinnen sind Tatjana Kovalevich (Mutter von Ferienkindern), Valentina Kot (Lehrerin) und Xenia Balbutzkaja, die Krankenschwester des Dorfes.
Die Frauen wollen sich besonders um die armen, meist alkoholkranken Familien kümmern. Sie wollen dies ehrenamtlich tun nach den Vorbildern, die wir ihnen in Deutschland gezeigt haben. Geplant ist u.a. eine Weihnachtsfeier für die Bedürftigen.
Kindererholung 2011
Wir haben mit allen Kindern gesprochen, die neu eingeladen wurden, ihnen die Einladung des Vereins mit der Broschüre „Was ich über meinen Aufenthalt bei einer deutschen Gastfamilie wissen sollte“ und die Bilder ihrer Familien übergeben. Die Kinder und deren Eltern freuen sich sehr über die Einladungen.
Von allen Seiten wird uns bestätigt, wie wichtig für die Kinder aus dem Tschernobylgebiet diese Sommererholung ist. Nicht nur die gesundheitlichen Vorteile sind zu beachten. Die Kinder bekommen Einblick in eine andere Kultur, sie bekommen die Chance, Visionen zu entwickeln für eine eigene, bessere Zukunft in ihrem Land.

Wir durften auf Gelungenes blicken und wir haben gesehen: Es gibt noch viel zu tun. Das bisher Erreichte verdanken wir allen, die uns unterstützt haben. Für weitere Hilfe jeglicher Art sind wir sehr dankbar!